Brüder Magomedow bekommen im Gefängnis Besuch von Menschenrechtsaktivisten

Brüder Magomedow bekommen im Gefängnis Besuch von Menschenrechtsaktivisten

In den nächsten zwei Tagen werden die in dem Fall Summa festgenommenen Geschäftsleute von Menschenrechtsaktivisten besucht, wie die Zeitung Iswestija unter Bezug auf die Öffentliche Überwachungskommission (OOC) in Moskau berichtet. Die Menschenrechtler wollen die Bedingungen, unter denen die Mitinhaber von Summa Sijawudin und Magomed Magomedov überprüfen, sowie des Chefs und Mitinhabers des  Unternehmens Inteks, Arthur Maksidow enthält. Sie wurden am Samstag ins Gefängnis gebracht. Den Geschäftsmännern wird Betrug in besonders großem Umfang, Unterschlagung und Bildung einer kriminellen Gemeinschaft vorgeworfen.

Iwan Melnikow, Exekutivsekretär der Kommunistischen Partei Russlands, sagte gegenüber der Iswestija, dass die Menschenrechtsaktivisten angeben wollen, wo genau die Gefangenen festgehalten werden. Es gibt offiziell unbestätigte Informationen, dass die Verdächtigen in der Haftanstalt Matrosskaya Tishina einsitzen.  Dort verbrachten auch Häftlinge aus anderen hochkarätigen Fällen wie der Ex-Wirtschaftsminister Alexei Uljukajew und der Ex-Bürgermeister von Wladiwostok Igor Puschkarew ihre U-Haft.

Wenn die Brüder Magomedow und Maxidow irgendetwas brauchen, werden die Menschenrechtsverteidiger es ihnen übergeben, gab Ivan Melnikow an. Die Verhafteten können jedoch selbst im Online-Shop von Matrosskaya Tishina einkaufen, wenn Verwandte Geld auf ihr Konto überweisen. Im Geschäft können Sie Schaschliks, Wareniki, Pflegeprodukte, Brettspiele bestellen.

Die Entscheidung, Sijawudin und Magomed Magomedow sowie Artur Maxidow festzunehmen, fiel am 30. März. Die Brüder werden des Betrugs, der Veruntreuung in besonders hohem Umfang und der Bildung einer kriminellen Gemeinschaft verdächtigt. Die Höhe des angeblichen Schadens beträgt 2,5 Milliarden Rubel (etwa 43,7 Millionen Dollar). Maxidow ist der Unterschlagung von 668,9 Millionen Rubel verdächtigt. Alle drei wurden am 31. März verhaftet. Sijawudin Magomedows Verteidigung beantragte den Ersatz der Untersuchungshaft gegen Hausarrest oder Kaution. Aber das Gericht weigerte sich, den Milliardär freizulassen. Die drei Verdächtigen lehnten alle gegen sie erhobenen Vorwürfe ab.

Die Verhaftung der Mitinhaber von Summa und des Leiters von Intex wurde vom Innenministerium mit der Unterstützung des FSB durchgeführt. Sie haben keinen Widerstand geleistet, sagte eine mit der Situation vertraute Quelle der Iswestija erzählt. Wie sich im Gerichtssaal herausstellte, plante Magomedow am Tag nach der Verhaftung nach Miami zu fliegen.

Die Ermittlungsabteilung des russischen Innenministeriums untersucht vorläufig das Strafverfahren wegen des Diebstahls einer besonders großen Menge an Haushaltsmitteln, einschließlich derjenigen, die für den Bau von Infrastruktur und Energieversorgung vorgesehen sind, sagte die offizielle Vertreterin des Innenministeriums Russlands, Irina Volk.

Im Fall von Summa sind sieben Straftatbestände vereint, von denen der erste im Jahr 2014 untersucht wurde, sagte die Staatsanwaltschaft während der Gerichtssitzung. Offiziellen Informationen zufolge handelt es sich bei einem der Fälle um Diebstahl und Betrug beim Bau des Stadions Arena Baltica in Kaliningrad für die Fußballweltmeisterschaft 2018.

Die Unternehmensgruppe Summa besitzt Anteile am Hafen von Novorossiysk (25%), an der Reederei FESCO im Fernen Osten (32,5%) sowie am Hafenlogistiker Transcontainer (25%). Weiterhin gehören zu Summa das Energieunternehmen YATEC (90%), die Exportfirma United Grain Company (50% minus einer Aktie) und die Baukonzerne GlobalElektroServis und Stroynovatsiya.

Auf der Webseite von Summa gab es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Materials keine Informationen über die Untersuchungen. Einige Tochtergesellschaften der Gruppe berichteten auf ihren Webseiten, dass von den Unternehmen Dokumente angefordert wurden, die Firmen aber regelmäßig arbeiten.

Laut Informationen der zu Interfax gehörenden Analyse-Agentur SPARK arbeitet Summa unrentabel. Nach Daten für das Jahr 2016, beliefen sich die Verluste auf 79,03 Millionen Rubel – bei einem Umsatz von 202,4 Millionen Rubel.

Trotz des allgemeinen Summa-Verlustes bleiben andere Teile der Unternehmensgruppe sehr profitabel, sagte Anatoly Dobrogski, Analytiker der Eurasia Group, gegenüber Iswestija. Zum Beispiel hat sich der Nettogewinn von Transcontainer im letzten Jahr verdoppelt und erreichte laut International Financial Reporting Standards (IFRS) 6,5 Milliarden Rubel.

Die Aktien von Unternehmen, die zur Holding Summa gehören, fielen am Montagmorgen zwischen 2 bis 20 Prozent – FESCO um 20,3%, Transcontainer um 2,1% und das Öltanker-Terminal in Novorossiysk um 2,8%.

Artikel 210 des Strafgesetzbuchs sieht für die „Bildung einer kriminellen Organisation“ als Höchststrafe eine lebenslängliche Freiheitsstrafe vor (für den Fall, dass der Täter „die höchste Position in der kriminellen Hierarchie“ einnimmt). Zwei andere Artikel, die Magomedow zugeschrieben werden, haben kürzere Strafen zur Folge. „Betrug, der von einer organisierten Gruppe oder eine besonders hohe Summe betrifft“, wird mit bis zu 10 Jahren Haft mit einer Geldstrafe von bis zu einer Million Rubel bestraft. Zu ähnlichen Strafen kommt es bei der Aneignung oder Veruntreuung in besonders hohem Umfang. Laut Alim Bischenow, geschäftsführender Gesellschafter der Rechtsanwaltskanzlei BMS Law Firm, kann die Untersuchung des Falles Summa bis zu zwei Jahren dauern.

Das Vermögen von Ziyavudin Magomedov wird von Forbes auf 1,4 Milliarden Dollar geschätzt. Im Jahr 2017 verdiente er eine halbe Milliarden Dollar und stieg in der Bewertung der „200 reichsten Geschäftsleuten Russlands“ vom 93. auf den 63. Rang.

Kreml-Sprecher Peskow wollte die Verhaftung nicht kommentieren, da die Untersuchungen noch andauern. „Es wird einen Prozess geben, der klärt, ob die Inhaftierten schuldig sind oder nicht“. Die Verhaftung sei keine Einzelaktion, sondern Teil eines gezielten und systematischen Kampfes gegen die Veruntreuung staatlicher Gelder, so Peskow am Montag.

[hub/russland.NEWS]