Russischer Bankensektor: Unstabil stabil

Russischer Bankensektor: Unstabil stabil

In den vergangenen drei Jahren ist der russische Bankensektor um ein Drittel geschrumpft, und dieser Prozess wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. „Nicht schlecht“ werden staatliche Banken und private Unternehmer denken, denen genug Geld für Digitalisierung, und Cyber-Sicherheit zur Verfügung steht und über Zugang zu staatlichen Geldern verfügen. Der Rest muss entweder den Markt verlassen oder einer Übernahme zustimmen.

Nach Angaben der Zentralbank von Russland arbeiteten am 1. Dezember 2017 in Russland 567 Kreditinstitute – am 1. Dezember 2014 waren es 842 Geldhäuser. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres verschwanden weitere 16 Banken vom Markt. „Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend im Jahr 2018 fortsetzen, aber verlangsamen wird“, prognostiziert die internationale Rating-Agentur Standard & Poor’s.

In der Risikozone agieren vor allem Privatbanken mit einem genehmigten Kapital von weniger als 50 Milliarden Rubel. Der Agentur zufolge werden viele den Konkurrenzkampf nicht überleben. „Der Wettbewerbsdruck auf größere Banken wird sich vor allem in Bezug auf die Finanzierungskosten verstärken“, so die S&P-Experten. Die Beschaffung von Mitteln für die Emission von neuen Krediten werde zunehmend schwieriger. „Nach mehreren Jahren, in denen die russische Zentralbank Lizenzen von kleinen Finanzorganisationen einzog“, ging das Vertrauen der Kunden verloren.

Zusätzlich belasten den Bankensektor die Sanktionen mit den aus ihnen resultierenden begrenzten Zugriffen auf internationale Finanzmärkte.

Weiterer Druck entsteht kleinen Privatbanken aus den ständig wachsenden Kosten für Technologieentwicklung und Cybersicherheit. Banking wird zunehmend zu einem Hightech-Business. Der durchschnittliche Kostenanteil, der mit der Einführung von IT-Systemen im Gesamtvolumen der Betriebsausgaben von Banken verbunden ist, wird von 8 bis 10 Prozent auf 15 steigen – in den nächsten drei Jahren auf 17 Prozent.

Aber für – in der Regel kleine – Banken, die gerade erst anfangen, das digitale Bankwesen zu implementieren, können Anfangsinvestitionen in die Entwicklung neuer Technologien 40 Prozent der Betriebskosten ausmachen. Real gesehen bleibt ihnen nur die Möglichkeit, sich größeren Finanzorganisationen anzuschließen oder den Markt zu verlassen.

Auch staatliche Banken (sie besitzen 65 Prozent der Vermögenswerte des gesamten Bankensektors) und große Privatbanken können sich nicht entspannen. Sie sind nicht nur gezwungen, um im Wettbewerb um Kunden zu konkurrieren, sondern auch um staatliche Unterstützung zu buhlen, „deren Volumen begrenzt ist“.

Das Niveau der russischen Auslandsverschuldung ist rückläufig, dennoch immer noch signifikant, was die Finanzierungskosten im Ausland nicht erleichtert. Russische Banken müssen im Jahr 2018 etwa 25 Milliarden Dollar an Auslandsschulden zurückzahlen – Unternehmen etwa 70 Milliarden Dollar. Laut Angaben der Agentur halten russische Unternehmen Einlagen in russischen Banken in Höhe von etwa 168 Milliarden US-Dollar,

Vor dem Hintergrund einer langsamen Konjunkturerholung kann keine Bank auf ein signifikantes Wachstum der russischen Wirtschaft oder eine plötzliche Revitalisierung des Unternehmenssektors und den dementsprechenden Fluss von Geldern in das Bankensystem hoffen. S&P prognostiziert für dieses und nächstes Jahr ein BIP-Wachstum von 1,8 Prozent in Russland – bei einem durchschnittlichen Ölpreis zwischen 55 und 60 Dollar pro Barrel.

„Um wieder langfristige Investitionsprogramme aufzunehmen, sei das operative Umfeld für Unternehmen zu ungewiss“, deutet S&P in seinem Bericht zur Situation des russischen Bankensektors, dem insgesamt attestiert wird, sein Finanzprofil werde sich durch „die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation stabilisieren – und damit die allgemeine Kreditwürdigkeit“.

[hub/russland.NEWS]