Russlands Bauindustrie von Insolvenzwelle bedroht

Russlands Bauindustrie von Insolvenzwelle bedroht

Das Geschäftsklima in der russischen Bauindustrie erreichte in den letzten 7 Jahren einen neuen Tiefstwert, errechneten Experten der Hochschule für Wirtschaftswissenschaften (HSE).

Trotz Anzeichen einer Stabilisierung der makroökonomischen Werte und eines BIP-Wachstums in fünf aufeinanderfolgenden Quartalen ist das Bauvolumen weiter rückläufig. Nach Angaben des Statistikamtes betrug der Rückgang zwischen Januar und Oktober 2017 2,1 Prozent.

Was die Zahl der Insolvenzen anbelangt, ist der Bausektor schon jetzt allen anderen Branchen voraus. Nach Angaben der Ratingagentur des Bausektors (RASK) ist die Zahl der registrierten Insolvenzen von Bauunternehmen im letzten Jahr um 17,3 Prozent gestiegen. 3.180 Firmen meldeten Insolvenz an. Die überwiegende Mehrheit (66 Prozent) sind Unternehmen, die mehr als 7 Jahre auf dem Markt tätig waren. Im dritten Quartal 2017 haben laut einer Studie des Zentrums für makroökonomische Analyse und kurzfristige Prognose (CMACC) fast 700 Bauunternehmen den Markt verlassen. Dies ist ein Rekord im gesamten Zeitraum diesbezüglicher Statistiken.

Wie der Direktor des Zentrums für Wirtschaftsforschung an der Höheren Wirtschaftsschule Georgij Ostapkowitsch bemerkt, werden die Konkurse, die die Bauindustrie überwältigt haben, bereits zu „einem wichtigen wirtschaftlichen und sozialen Problem“ und am Ende des Tunnels gibt es noch kein Licht.

„Nach der letzten Unternehmerumfrage befinden sich etwa 16 bis 17 Prozent der Gesamtzahl der befragten Bauunternehmen in einem Zustand nahe der Insolvenz“, stellt der Experte fest. Dies sind Unternehmen, bei denen in den letzten 3 bis 4 Quartalen das Bauvolumen und die Anzahl neuer Aufträge ständig sinkt.

Eine im November durchgeführte Umfrage unter Top-Managern von Bauunternehmen zeigte, dass 40 Prozent von ihnen immer noch beklagten, dass der Zustand der Auftragsbücher „unter dem normalen Niveau“ liege. Der Gesamtindex für das Geschäftsklima im vierten Quartal stieg zwar um einen Prozentpunkt, aber sein Wert ist im Vergleich zu allen anderen Industriezweigen, die Rosstat untersucht, am niedrigsten.

Die Baubranche „behält den Status der problematischsten aller grundlegenden Wirtschaftsaktivitäten des Landes“, betont Ostapkowitsch.

Seiner Meinung nach erklärt sich die Depression in der Branche durch die „extrem schwache Nachfrage“ seitens wichtiger Investoren. Budgetprobleme führen zu einem Rückgang der staatlichen Aufträge, der Einbruch der Einkommen der Bevölkerung reduziert die Nachfrage nach Wohnraum und große Unternehmen verzögern Investitionen vor dem Hintergrund sinkender Gewinne und von der Regierung geplanter Steuererhöhungen.

[hub/russland.NEWS]

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