Russlands Wirtschaft erlebt „schwarzen Montag“

Russlands Wirtschaft erlebt „schwarzen Montag“

Den heutigen Tag auf dem russischen Markt kann man mit Recht als „schwarzen Montag“ bezeichnen. Der Aktienmarkt erlebte einen Rekordrückgang seit der Krimkrise. Der Dollar liegt über 60 Rubel, während der Euro 75 Rubel erreicht.

An nur einem Tag verlor der russische Aktienmarkt 820 Milliarden Rubel (etwa 11,1 Milliarden Euro) Kapitalisierung. Dies ist der größte Tagesrückgang seit dem Jahr 2014. Der Mosbirzhi Index fiel um 8,34 Prozent, der RTS um 11,44 Prozent. Mit minus 26 Prozent verlor Safmar am meisten, gefolgt von Rusal mit minus 20,3 Prozent und Mechel mit 19,2 Prozent. Die Sberbank, die von den Sanktionen überhaupt nicht betroffen ist, verlor 17 Prozent – das ist der größte Rückgang seit 10 Jahren.

Viel wird von den Maßnahmen der Zentralbank und des Finanzministeriums abhängen. Während der Rubel stärker wurde, verkaufte das Finanzministerium 200 Milliarden Rubel pro Monat auf dem Markt, um den NWF aufzufüllen. Noch ist nicht klar, ob das Ministerium diese Währungskäufe anpassen wird. Die Situation sei nicht außer Kontrolle geraten und es bestehe keine Notwendigkeit für zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen.

Wie Forbes aufgrund von Echtzeitdaten errechnete verloren die fünfzig reichsten Russen an einem Tag fast 12 Milliarden Dollar. Oleg Deripaska verlor mit Rusal 1,3 Milliarden Dollar, Vladimir Potanin, Haupteigentümer von Norilsk Nickel, eine Milliarde und Viktor Vekselberg 968 Millionen Dollar.

Die Ratingagentur S & P warnte bereits – die Einschätzung könne sich verschlechtern, wenn ausländische Staaten die Sanktionen gegen Russland deutlich verschärfen würden. Der externe Hintergrund der russischen Wirtschaft, auf den die Gutachter schauen, wird immer noch weitgehend vom Öl bestimmt. Die Preise dafür sind bisher stabil – es gibt also keinen Grund, das Rating zu überarbeiten.

Zusätzlich wird die Kreditaufnahme für russische Unternehmen teurer – nicht nur für sanktionierte Unternehmen. Ab jetzt wird es Risikoprämien für die Wahrscheinlichkeit geben, in neuen Sanktionslisten aufzutauchen.

Der Rückgang soll sich noch einige Tage fortsetzen, mutmaßt ein Vertreter der Sergej Romanchuk von Metallinvestbank. Wie der Markt die Talsohle bestehen wird, hängt von der Reaktion des Staates ab. Ob und wie und welche von den Sanktionen betroffenen Unternehmen mit Unterstützung rechnen können.

 

Heute Nachmittag wies Dmitri Medwedew die Regierung an, Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen zu entwickeln, die unter Sanktionen stehen. Bloomberg berichtete, die Regierung plane zu diesem Zweck, die Chefs und Eigentümer der Unternehmen zu treffen. „Eine ganze Palette von Instrumenten liegt bereits auf dem Tisch“, sagte ein Vertreter der Regierung. Abhängig von der Situation, werden sie angewendet – Anlageverträge, Auftragsvergabe, Vorzugskredite, Umschuldung, steuerliche Anreize und Exportsubventionen.

So ist das Wort vom „schwarzen Montag“ nicht übertrieben. Ab dieser Woche lebt jedes größere russische Unternehmen unter dem Damoklesschwert neuen Sanktionen.

[hub/russland.NEWS]